Startseite > Berichte >Laronas Geschichte

Laronas Geschichte


Gespräch zwischen Larona und Alanna im "Blauen Phecadi" am Abend des 5 Rahja 24 Hal


Larona, Thogrim und Alanna haben an dem Abend noch kurz die morgigen Pläne besprochen. Alanna hat für die Nacht auf Wacheneinteilung bestanden und die erste übernommen. Während Thogrim und Larona sich in ihre Gebete vertiefen, schlüpft Alanna aus dem Kleid, zieht sich ein leichtes Leinengewand über und schnallt sich ihr Schwert um. Dann setzt sie sich an den Tisch und beginnt im Schein einer fast heruntergebrannten Kerze zu schreiben. Larona und Thogrim legen sich schlafen. Doch die Stadt ist noch hellwach. Von Ferne erklingt fröhliche Musik und ausgelassenes Lachen. Dazu ist leise das Kratzen von Alannas Schreibfeder auf dem Pergament zu hören.
Larona hängt noch eine Weile ihren Gedanken über die Ereignisse des Tages nach und überlegt sich, mit welchen Worten sie am besten das morgige Gespräch im Rahjatempel beginnen wird. Nach kurzer Zeit ist Thogrims gleichmäßiges rasselndes Atmen zu vernehmen. So vergeht eine Weile. Dann verstummt das Kratzen der Feder. Einen Augenblick später bemerkt Larona durch die geschlossenen Augenlider, daß es im Zimmer dunkel wird. Mit einem leichten Seufzer wird das Schreibwerkzeug abgelegt. Dann herrscht Ruhe im Raum. Fast wäre Larona eingeschlafen, als plötzlich draußen vor dem Fenster mit viel Getöse eine Gruppe vorüberzieht. Als das Lachen und Grölen der sich entfernenden Menschen abklingt, ist das Rascheln von Kleidung zu vernehmen, während Alanna sich langsam durch das völlig dunkle Zimmer bewegt. Thogrim schnarcht leise. Dann vernimmt Larona das leise Flüstern von Alannas Gebet.

"Mutter Travia, ich bitte Dich, schütze meine Familie und vergib mir, daß ich nicht bei ihnen bin. Du kennst den Grund. Wenn wir versagen, werden viele Familien ohne Vater oder Mutter sein. Ich kämpfe für die Götter wider dem Bösen."

Das schabende Geräusch einer Waffe, die gezogen wird, erklingt.

"Herr Praios, ich habe gesündigt. Ich war nicht ehrlich gegenüber dem freundlichen Handelsherrn. Zuviel habe ich falsch Zeugnis gegeben in meinem Leben."

Ein vernehmlicher Seufzer füllt die darauffolgende Pause.

"Herrin Rondra, diese Taten sind einer Ritterin nicht würdig und ich schäme mich ihrer. Oh, große Leuin, ist das die Lehre, die ich ziehen soll? Nicht den Entscheidungen Höhergestellter zuwider zu handeln? Doch ich bereue nicht, Strahlende, wie könnte ich? Denn ich sehe die Prüfungen die waren und die sind und die mich gelehrt haben, daß du mein einziger Richter sein kannst. Hilf mir das zu verstehen und zeige mir Deinen Willen, Donnernde, wie es dereinst war, denn ich befürchte, ich könnte den Weg verlieren, der mich schließlich zu Dir führen wird. Zu erkennen, wie ich Deinen Gesetzen folgen kann und dennoch diese gewaltige Aufgabe zu erfüllen, die Du mir gegeben hast. Ich hoffe, daß ich Dein Vertrauen nicht enttäusche, denn zuweilen fühle ich mich so fürchterlich schwach. Bist Du noch bei mir, Göttin? Ich bin bei Dir, Göttin."

Ein wenig scheint Alanna noch zu verharren, dann wird das Schwert zurück in die Scheide geschoben und dem Rascheln der Kleidung und dem Quietschen eines Stuhls zufolge setzt sie sich wieder an den Tisch am Fenster. Im Gasthaus ist das laute Poltern von Schritten auf der Treppe und dem Gang zu hören, zwei Stimmen, ein tiefes Brummen und ein hohes Kichern, schließlich einige Zimmer entfernt das geräuschvolle Schließen einer Tür. Thogrim unterbricht für einen Moment sein Schnarchen, bewegt sich während er etwas unverständliches in seinen Bart brummt und setzt dann innerhalb von wenigen Augenblicken sein Schnarchen fort. Eine Weile vergeht, dann hört Larona Alannas Stimme leise, aber deutlich in der Dunkelheit.
"Larona, seid Ihr wach?"

Larona liegt im Bett und denkt über die weitere Entwicklung nach. Sollte in Grangor tatsächlich noch ein Namenloser Zirkel sein Unwesen treiben (mit oder oder Travian), wird vermutlich unsere Gruppe alleine nicht ausreichen, um ihn "aufzulösen". In Gedanken geht sie mögliche Verbündete durch, von Privatpersonen bis zur Praioskirche, faßt aber noch keien Entschlüsse.
Dann fällt ihr ein Lied eines Söldners ein, dass sie in Walgor in einer Taverne gehört hatte: "Wir bringen den Tod" hieß es. Genau so fühlt sich Larona manchmal, wie ein Söldner einer höheren Macht, der ohne etwas zu tun den Tod in ihre Umgebung bringt. Und in Grangor scheint es wieder so zu sein...Schnell verscheucht sie diese Gedanken und bittet den Herren Boron um eine ruhige Nacht. Sie ist schon fast eingeschlafen, als sie leise Alannas Gebete hört. Und obwohl Gebete etwas sehr privates sein können, kehrt Laronas Geist aus dem Traumreich zurück, ihre Sinne schärfen sich und sie lauscht Alannas Gebeten.

"Larona, seid Ihr wach?"

Larona setzt sich leise auf und antwortet mit ruhiger Stimme: "Wenn Du mich brauchst, bin ich immer für Dich da. Was kann ich für Dich tun ?"
Nach kurzem Zögern antwortet Alanna. "Darf ich Euch eine persönliche Frage stellen, Larona?"
Larona atmet langsam und tief ein und sagt dann leise: "Setz Dich zu mir, Alanna. Was möchtest Du wissen ?"
"Ähm.."
Wieder zögert Alanna. Larona hört das Knarzen des Stuhls, auf dem Alanna sitzt, doch sonst nichts weiter als das monotone Schnarchen des Zwerges. Falls sie darüber nachgedacht hat, sich tatsächlich zu Larona zu setzen, scheint sie sich vorläufig dagegen entschieden zu haben. Alanna räuspert sich leise; dennoch klingt ihre Stimme rauh, als sie sagt:
"Gibt es.. oder hat es in der Vergangenheit.. einen Mann in Eurem Leben gegeben, Larona?"
Larona schweigt einige Sekunden. Mit ruhiger Stimme sagt sie: "Willst Du wissen, ob ich Bettgefährten hatte ? Aber natürlich, jedes Wesen hat diese Bedürfnisse. Und noch bin ich keine verschrumpelte Rahjanisbeere." Sie lacht leise und trocken. "Doch wenn Du wissen willst, ob ich je vorhatte eine Ehe einzugehen, dann muss ich lange in die Vergangenheit zurückkehren..." Wieder schweigt sie einen Moment. "Ich war weniger als halb so alt wie ich heute bin und hatte mich bereits entschlossen, mein Leben in den Dienste der Herrin HESinde zu stellen. Ich bekam damals Unterricht im Kusliker Tempel. Zu den Messen erschien ein Mechanikus, der seinen Gehilfen mitbrachte. Er hieß Jarras und hatte wundervolle braune Augen und schöne Locken. Nach der Messe trafen wir uns öfter am Rosensee und ich glaubte, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben. Zwei Jahre waren wir ein Liebespaar, zwei viel zu kurze, glückliche Jahre." Larona schluckt hörbar, ihre Stimme wird härter. "Er ist an der blauen Keuche gestorben. Die Herrin hat diesen begnadeten Jungen zu sich gerufen, er wandelt nun in ihrem Paradies. Auch die Kräuter die ich ihm brachte heilten ihn nicht." Ihre Stimme bekommt einen ironischen Beiklang als sie sagt: "Das war das erste Mal, das ich einen Grabsegen sprach. Ich musste es in den letzten Jahren zu oft tun...".
Einen Moment hält sie inne und fährt dann mit milder Stimme fort: "War es das, was Du wissen wolltest, oder liegen Dir noch andere Fragen auf dem Herzen ?" Es herrscht ein kurzer Moment unangenehmen Schweigens. Dann knatscht erneut der Stuhl und Alanna setzt sich zu Larona. Mit einem dumpfen Klopfen schlägt die Schwertscheide an die Bettkante. Doch Thogrim scheint wirklich einen überaus tiefen Schlaf zu haben. Alanna atmet einmal tief ein und wieder aus, bevor sie zu sprechen beginnt.
"Larona... es tut mir leid, es tut mir so leid... Ihr hättet mir das nicht erzählen brauchen, so eine schmerzliche Erinnerung, doch ich danke Euch dafür, daß Ihr es getan habt. Es muß furchtbar sein, einen so geliebten Menschen zu verlieren, ich weiß es, denn ich hielt meinen toten Sohn in den Armen. Ich möchte lieber nicht daran denken, was aus mir geworden wäre, wenn nicht... nun ja, Ihr wißt was geschehen ist. Ich habe niemanden verloren..nun, doch meinen Vater, aber unsere Beziehung war... nicht sehr innig. Also, ich danke den Göttern, daß sie mich keinen so schweren Verlust haben erleiden lassen, wie Ihr es mußtet, Larona. Ich entschuldige mich, daß ich Eure Gefühle darüber wieder aufgewühlt habe. Ich habe nicht aus Neugier gefragt, ich wollte nur... Ihr seid die einzige Frau in dieser Gruppe, mit wem sollte ich sonst darüber reden? Außerdem seid Ihr so etwas wie eine Freundin... vielleicht, was ich von den anderen nicht, nicht mehr behaupten kann. Und.. das ist auch der Grund... ähm.. wißt Ihr, ich wollte das nur fragen, um zu wissen, ob Ihr verstehen könnt, und ich denke Ihr könnt es, denn auch nach Toten kann man sich sehnen. Ich..."
Nachdem sie so eine Weile verlegen und stockend gesprochen hat, scheint nun eine Flut lange unterdrückter Gefühle aus Alanna herauszubrechen.
"Ich fühlen mich so furchtbar allein, Larona. Ich weiß, ich habe einen wundervollen Ehemann, den ich liebe und der mich liebt, der mich so liebt wie ich bin und einen Sohn, der mich bewundert, obwohl ich ihm fast ebendso wenig eine Mutter war, wie mein Vater mir ein Vater - bedingungslose Liebe, wem machen die Götter schon dieses Geschenk? Doch es ist ein zweischneidiges Schwert, Larona. Ich vermisse Lanahan so sehr, vermisse seine Liebe, daß ich es manchmal kaum aushalten kann. Besonders wenn um mich nur Streit, Gewalt und Tod ist... und wenn ich so lange von ihm fort sein muß. Wann soll das enden, Larona, wann kann all dieser Wahnsinn enden? Und werde ich am Ende noch die sein, die ich war? Es hat mich schon jetzt so verändert. Wie.. wie kann er das verstehen? Wie kann ich erwarten, daß er versteht, was ich tue? Daß ich, kaum ist unser Sohn wieder bei uns, erneut gehe."
Sie seufzt tief. "Und ich mache mir Sorgen um sie, Larona." Alannas Stimme beginnt leicht zu zittern. "Was würde sie davon abhalten, sie mir zu nehmen? Doch bestimmt nicht ein paar Söldner..." Sie verstummt und Larona kann förmlich spüren, wie sie um Fassung ringt.
Nachdem Alanna geendet hat, legt Larona ihren Arm um sie und drückt sie leicht an sich. Einige Momente sitzt sie so da und versucht, Alanna zu beruhigen.
"Du hast mich nicht getroffen oder verletzt. Diese Gefühle gehören zu mir und meiner Vergangenheit...einer meiner Lehrmeister sagte einmal: "Lerne aus Deinen Gefühlen, denn Gefühle wirst Du immer haben. Sie können Dir helfen, können Dir aber auch schaden. Also schaue und überlege klug, welchen Gefühlen Du in welchen Situationen erlaubst, Dich zu beherrschen." Ich habe lange über seine Worte nachgedacht und habe für mich alleine etwas für meine Leben gelernt. Doch es geht um Dich, Alanna. Liebe ist ein starkes Gefühl, und ich glaube von uns allen hier bist Du die einzige, die es in dieser Art empfindet und überhaupt in der Lage ist, es so zu empfinden. Ich glaube, Deine Liebe zu Deiner Familie ist die Kraft, die Dich antreibt, all das hier zu tun. Du hast Angst, dass Deiner Familie etwas geschehen könnte. Und so wirst Du zur Löwin, die den Feind angreift um sie zu schützen. Es ist Deine Art, so ihre Liebe zu beantworten und sie wissen es. Du wirst immer die sein, die Du bist, doch nie mehr die, die Du warst. Aber siehe das nicht als Bürde, sondern als Geschenk. Man nennt es Leben." Larona seufzt leicht. "Was hält Dich davon ab, nach Hause zu gehen und bei den Deinen zu weilen ? Es ist die Löwin in Dir. Was hält Dich davon ab, uns den Rücken zu kehren und eine sichere Höhle zu suchen ? Es ist die Löwin in Dir. Alanna, Du bist stark, gerade dadurch, dass Du die Liebe in Dir trägst. Du gehst den Weg der Löwin." Larona drückt Alanna kurz und fest an sich.
"Bewahre die Liebe in Dir." Ganz leise spricht Larona :"Es gibt nur ein Gefühl das stärker ist, und dass ist der Haß".
Dann steht sie langsam auf und verläßt das Zimmer.




 -nach oben-