Startseite > Berichte >Ankunft im Süden

Prächtig sah sie ja aus, die Zedrake „Opalglanz“, wie sie im morgendlichen Glanz der Praiosscheibe lag. Doch kaum war ich an Bord, so schwankte das Schiff auch schon bedenklich. Ich musste schnell viel Schnaps trinken, um das durch eigenes Schwanken auszugleichen. Das würde eine anstrengende Fahrt werden.
Die ersten zwei Tage passierte nichts. Ich bleib in unserer Kabine liegen und verließ sie nur, um ins Meer zu pissen oder an den Feuerschalen abends zu Angrosch zu beten.
Die Gespräche mit Sanfir haben mit etwas mehr Einblick in die Gruppe und diese Welt gegeben. Drei Dinge haben wir ausführlich besprochen:
Als erstes Alanna: Ich weiss nun nicht mehr genau, ob sie meine Bettgefährtin werden sollte. Er deutete merkwürdige Dinge an. Bei diesem Thema erzählte er mir, dass er schon seit Jahren nicht mehr geweibert hätte, sondern nun seinen magische Hand hätte. Auch von Sadonos wusste er soetwas zu berichten. Eine komische Gruppe.
Zweitens: Gibt es mich auch in dieser Welt? Wenn ja was mache ich hier? Von den Gezeichneten jedenfalls hatte ich vorher noch nie etwas gehört, einzig in dem wandelnden Guhl von Dragenfeld könnte man Gulmartock erkennen.
Drittens: Die bisherigen Geplänkel haben gezeigt, dass die militärische Struktur innerhalb der Gruppe quasi nicht vorhanden ist. Ich habe Sanfir erklärt, wie eine sinnvolle Struktur aussähe: Wir sollten in Kampfsituationen künftig in zwei Gruppen arbeiten. Das erlaubt uns Scherenbewegungen, Zangen und Angriffe in den Rücken. Die beiden Gruppen sollten dabei gleichartig aufgebaut sein: Je ein Krieger, Magier und Zivilist. Sanfirs Idee, dass grundsätzlich Alanna und ich einen Angriffsblock bilden sollten, zeugt von seinem geringen Verstand in militärischen Dingen: Wer soll da die Fernkämpfer schützen oder was passiert, wenn unserer Block einfach umgangen würde? Nein, um eine Struktur mit mir und Alanna als agressives Zentrum, Sadonos beziehungsweise Gulmartock als magische Unterstützung beziehungsweise Fernkämpfer und Sanfir und Lian als Kämpfer der Mitteldistanz, Ausfälle und schnelle Aktionen. Laut Sanfir wird es allerdings schwierig sein, Alanna davon zu überzeugen, dass meine Idee gut ist. Ich muss demnächst bei einem Bier mit ihr darüber reden.
Am Abend des dritten Tages wurde ich aus meinem Schlaf gerissen, als ein Loch unten im Schiff entdeckt wurde. Ein Morphus hatte ein Loch hineingebissen. Die Zimmerleute konnten es aber schnell reparieren. Ich war ja von Anfang an dagegen gewesen ein Schiff zu nehmen. Wozu waren die botanischen Fähren denn da? Die konnten wenigstens nicht untergehen! Als wir dann auch noch einen ganzen Morphus-Köder am Schiff entdeckten, war klar, dass wir entweder einen Verräter an Bord hatten. Leider konnten wir nicht klären, wer.
Kurz bevor wir unser Ziel erreichten, wurden wir von zwei Piratenschiffen in die Zange genommen, die uns plündern wollten. Sollten sie nur kommen! Ich würde diesen windigen Wasserratten auf den Schädel hauen. Doch es kam anders: Als die Piraten sich auf unser Schiff schwingen wollten, prallten sie an einer unsichtbaren Wand ab und Lian und Sanfir schafften es, die Oberpiratin vor die Dolchspitze zu bekommen. Daraufhin zogen sich beide Schiffe zurück und wir erreichten den Hafen sicher.
Während Gulmartock, Lian und Sanfir dem Zeremonienmeister- eine Art Oberpirat- einen Besuch abstatteten, wollten ich, Alanna und Sadonos in den Efferdtempel gehen, um dem nassen Gott für die ruhige Überfahrt zu danken. Der Tempel, der einmal prachtvoll gewesen sein muss, war heute ein Schweinestall. Ich reinigte zumindest das, was einmal der Altar gewesen sein muss und hielt mein Dankesgebet ab.
Als wir uns wieder am Schiff trafen, waren die anderen auch schon dar. Wir organisierten Träger und Führer und zogen nach Altalia. Wenn ich etwas fast so sehr wie das Meer verabscheue, dann ist das der Dschungel, durch den wir gerade zogen. Kein vernünftiger Stein da - außer unserem Golem- , eklige Hitze und kein Bier. Dazu noch Perldrachen, die hier hausten. Und keiner wollte etwas gegen sie unternehmen! Bei Angrosch! Hätte ich nicht geschworen, Lian zu helfen: Ich würde sofort eine Jagdgruppe zusammenstellen!
Am zweiten Tag erreichten wir das befestigte Dorf Edas, das von dem Fürstmagier von Edas regiert wurde. Er lud uns zum Speisen und übernachten ein. Mitten in der Nacht wurde ich geweckt. Sanfir hatte mit einer der Dienerinnen des Fürsten gesprochen. Es sah so aus, als würde er das Dorf nicht regieren, sondern unterdrücken. Zudem soll er einige Tage vor dem Untergang Altalias mit Borbarad persönlich gesprochen haben und dessen Pläne unterstützen.
Sanfir wollte mit der Dienerin alleine sprechen. Mit der hätte ich auch gerne mal alleine gesprochen: Glutäugig, griffig an den richtigen Stellen und mit Brüsten, zwischen denen man Nüsse knacken könnte. Hatte Sanfir nicht vor ein paar Tagen behauptet, er würde nur noch seine Hand lieben? Wir sollten dazustürmen, wenn er um Hilfe riefe. Ein interessanter Gedanke.
Ich hielt mich bereit. Als der Schrei kam, rannte ich mit meinem Dolch los. Den Hammer hatte ich zurückgelassen. Er würde innerhalb des Gebäudes nur behindern. Ich stürmte durch die Tür und sah Sanfir auf dem Boden liegen, eine Rauchfahne von seinem Körper aufsteigen. Der Magier stand direkt daneben. Ich sprang ihn an und rammte ihm den Dolch in den Leib. Doch irgendein zauber schützte ihn. Ich stach wieder zu, diesmal durchbohrte ihn meine Klinge. Und das Gift wirkte sofort. In dem Moment tauchte Tirato aus dem Nichts hinter ihm auf und rammte ihm einen Dolch durch die Ohren. Der Zauberer verreckte, so wie er es verdient hatte.




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